Für die Zeit des späten 17. und des 18. Jahrhunderts gibt es hinsichtlich des Schützenwesens in Heiden - bisher jedenfalls - keinerlei historische Belege. Wir sind also auf Mutmaßungen angewiesen, können aber aufgrund der Überlieferung in anderen Orten des westlichen Westfalen in aller Kürze einige Charakteristika anführen. Wie wir am Beispiel des Leblicher Schützensilbers vermuten konnten, standen die Schützengesellschaften jener Zeit unter der kollektiven Leitung von meist zwei Gildenherren (Vorstehern), denen für die Abwicklung des Schützenfestes und für die Rechnungsführung zwei Schäffer zur Seite standen. Hinzu kamen evtl. noch ein oder mehrere Schenker, die die Rolle des Festwirtes übernahmen. Gefeiert wurde das Schützenfest meist auf der Deele eines größeren Bauernhofes, oft ging die Beherbergung reihum von Hof zu Hof wie bei den heute noch üblichen Nachbarschaftsfesten. Von Offiziersämtern hört man hierzulande erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Besonders nach dem Anschluss an Preußen (d.h. nach 1815) scheint sich das Offizierswesen nach militärischem Vorbild stärker entwickelt zu haben.
Schützenfest und Vogelschießen gehörten nicht unbedingt zusammen. Das Fest wurde offenbar regelmäßig, wenn auch nicht jedes Jahr, als Festessen mit anschließendem Tanzvergnügen gefeiert, jedoch fand ein Vogelschießen an vielen Orten wohl nur in größeren Abständen statt. Das bereits erwähnte regelmäßige Exerzieren und Schießen unter Leitung des Kirchspielsführers darf nicht mit der Schützengilde in unmittelbaren Zusammenhang gebracht werden: von diesen Übungen auf landesherrliche Anordnung hin waren eigens dafür aufgebotene Mitglieder des Kirchspiel betroffen; unter Christoph Bernhard von Galen nur etwa 10 -15 Mann pro Kirchspiel (der so genannte "Ausschuss"), später ab 1688 und während des ganzen 18. Jahrhunderts aus jedem Haus ein erwachsener Mann: "Jeder Aufgebotene muss mit einem eigenen, nicht geliehenen, tüchtigen Schießgwehr, Bandelier und Tasche, die Bauerrichter [die Schulzen] allein mit kurzem Gewehr, bei der Musterung erscheinen." Diese aufgebotenen Mitglieder der "Landwehr" hatten sich an sechs Tagen im Jahr in den Waffen zu üben, doch war diese Art Milizdienst eben ein bloßes Exerzieren und Schießen und nichts weiter. Das Amt des Kirchspielsführers übte gegen Ende des 18. Jahrhunderts Arnold Schmelting (vom Hofe Schmelting, Leblich) aus; von 1760 bis 1789 zunächst als Substitut (d. h. an Stelle des eigentlichen Amtsinhabers N. Fabian, der den Dienst selbst nicht versehen wollte oder konnte), dann bis 1789 als ernannter Führer. Von 1789 bis 1802 bekleidete dann Bernhard Anton mso-fareast-language: DE; mso-bidi-language: AR-SA Schmelting dieses Amt.

Schützenkönig mit Königskette und bekränztem
Hut, aus der Umgebung von Burgsteinfurt, 1787
Quelle: Tradition und Gemeinschaft, 375 Jahre Schützenwesen in Heiden
Allgemeiner Bürgerschützenverein "St. Georgius" e.V. Heiden/Westfalen 1988