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St. Georgius

Heiden

 

Das Böllerkommando


Allgemeiner geschichtlicher Hintergrund des Böllerschießens
Böllertradition in Heiden
Böllerkommando Heiden
Böllergerät
Polizeiliche Vorschriften
Ablauf des Böllerschießens beim Schützenfest
Gesellschaftliche Brauchtumspflege

 

Allgemeiner geschichtlicher Hintergrund des Böllerschießens

Das Böllerschießen ist Pflege alten Brauchtums und hat sich vom Kriegsbrauch zum Volksbrauch entwickelt. Es wird seit Jahrhunderten ausgeübt.
Den Böller bezeichnet man als ein Gerät, in dem eine verdämmte Pulverladung eingebracht und anschließend gezündet wird, so dass ein lauter Knall weithin zu hören ist; die Zündung wird durch ein seitliches oder oben liegendes Zündloch mittels eines Feuereisens oder einer Lunte, später mit einer Zündschnur vorgenommen.
Ursprünglich verstand man unter einem Böller ein Steilfeuergeschütz (Mörser) im Gegensatz zur Kanone, die zum direkten Schuss eingerichtet ist. Der Ursprung der Böller reicht bis in das 14. Jahrhundert zurück.
Böller wurden von jeher für das Schießen zu feierlichen Anlässen eingesetzt und waren als Kriegszwecke völlig ungeeignet. Zudem wurden sie als Verständigungsmittel eingesetzt.
Heute steht mit Standböller, Böllerkanonen, Hand- und Schaftböller ein reichhaltiges Angebot an Böllergeräten zur Verfügung.

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Böllertradition in Heiden

Geböllert wird in Heiden durch mündliche Überlieferung gesichert seit über 120 Jahren (80er Jahre des 19. Jahrhunderts). Der genaue Ursprung ist zwar unbekannt, doch die Ursprünge dieser Tradition liegen im 19. Jahrhundert, als etwa um 1880 zum Ende des Kulturkampfes die Fronleichnamprozessionen wieder gestattet wurden. Bei der Fronleichnamsprozession wurde bei den Altären beim Hochheben der Monstranz (Segenserteilung) geböllert.. Diese Tradition des Böllerns wurde auch nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgenommen. Wahrscheinlich ab 1950 war der Umgang mit Schusswaffen einschließlich des Böllerns wieder erlaubt.
Das Böllern zum Schützenfest begann erstmals nach dem 2. Weltkrieg. Urkundlich festgehalten ist dabei das Jahr 1952.
Bei den Prozessionen ist das Böllerschießen unter Pastor Busche (seit 1958 in Heiden tätig) um 1965 herum nicht mehr gestattet worden; Anlass waren Beschwerden über den Krach und das Erschrecken von Kindern.
Im Böllerkommando Heiden waren vor dem 2. Weltkrieg folgende Personen aktiv:
Arnold Becker-Harms, Josef Beerlage, Josef Eversmann, Wilhelm Temminghoff, Felix Roring und Bernhard Tekülve.
Nach dem 2. Weltkrieg kam Josef Becker sen.(1950) als Ersatz für den 1947 verstorbenen Arnold Becker hinzu und neu ab ca. 1960 Felix Berger-Klümper und Josef Eversmann jun.
Hubert Kempe war ca. von 1970 bis 1980 beim Böllerkommando und schied aus gesundheitlichen Gründen wieder aus. Ab 1980 war Josef Becker junior als aktives Mitglied tätig.
Seit dem Tod von Felix Berger-Klümper im Jahr 1984 waren als Mitglieder im Heidener Böllerkommando nur noch Josef Becker senior und Josef Becker junior verzeichnet.
Unter der Leitung von Josef Becker junior wurde das Böllerkommando dann 1996 wieder neu aktiviert.
Von der 120-jährige Heidener Böllergeschichte wird nun durch Josef Becker junior als Vertreter der 3. Generation bereits ca. 70 Jahre lang durch die Familie Becker die Böllertradition ausgeübt und gepflegt.

Seit 1965 werden in Heiden nur noch zum Schützenfest Böllerschüsse abgegeben. Die Kreispolizeibehörde hat bei den Böllergenehmigungen für andere Anlässe eine sehr stringente Vorgehensweise. Die seitdem einzige Ausnahme war die Heidener Ortkerneinweihung in 2002, wo im Auftrag der Gemeinde Heiden das Böllerkommando Heiden mit 12 Böller-Schüssen tätig wurde.

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Böllerkommando Heiden

Durch die Neuaktivierung des Böllerkommandos Heiden unter Vorsitz von Josef Becker ist in Heiden sichergestellt, dass das Böllern mit eigener Besetzung selbständig durchgeführt wird.
Folgende Mitglieder gehören dem Böllerkommando Heiden an:
Josef Becker als Vorsitzender, Josef Wissing und Hermann Mußenbrock, die ebenfalls im Besitz einer Böllererlaubnis sind, Gregor Tüshaus, Brian Riley, Heinz-Josef Tönnes, Klaus Lütkebohmert und Heinz-Wilhelm Borgmann.
Josef Becker sen. ist aus Altersgründen nicht mehr als aktives Mitglied dabei.


Die Mitglieder von (links nach rechts): Gregor Tüshaus, Josef Becker,
Heinz-Josef Tönnes, Heinz-Wilhelm Borgmann, Hermann Mußenbrock, 
Brian Riley, Klaus Lütkebohmert, Josef Wissing (Stand 1997)

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Böllergerät

Anfangs wurde mit aus Eisen geschmiedeten Einrohr-Standböller geschossen.
Die dreirohrigen Standböller (Siriuswerfer), mit denen heute geböllert wird, sind bereits 1962 - begünstigt durch einen Zuschuss des Schützenvereines anlässlich des Jubelfestes 1963 - angeschafft worden. Ein Siriuswerfer befindet sich im Besitz des Böllerverein Weseke.
Beim Böllerkommando Heiden sowie beim Böllerverein Weseke kamen dann im Laufe der Jahre durch Ausleihen der Böllergeräte jeweils beide Siriuswerfer beim Böllern zum Einsatz.


Siriuswerfer

Der Sirius-Sicherheits-Salutapparat ist ein Böllergerät, dass 1936 von Herrn Keil in Altdorf entwickelt wurde. Die wesentlichen Merkmale dieses Apparates sind die 3 hochstehenden Schussrohre aus Stahl. An der Vorderseite des Gerätes befindet sich das Schloss mit den 3 Schlagbolzen, die mit Sicherheitsnadeln gesichert werden. Im Schloss werden die Zündhütchen in die Zündkapselschrauben eingesetzt. Die Abzugsleine hat eine Länge von 10m.
Das Böllergerät hat eine Länge von ca. 330mm, ist ca. 285mm hoch und hat ein Gewicht von rund 54 kg. Die Rohrstärke beträgt 48mm, das Kaliber 24mm. Als Lademenge sind 50g Böllerpulver pro Schussrohr vorgesehen. Als Verdämmungsmaterial wurde früher Zeitungspapier, heute Quarzsand verwendet.

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Polizeiliche Vorschriften

Durch verschärfte gesetzliche Bestimmungen und polizeiliche Auflagen muss für das vorschriftsmäßige Böllerschießen und um dem Umgang mit Pulver Rechnung zu tragen, vom Böllerschützen der Erlaubnisschein zum Böllerschießen auf einen sprengstofftechnischen Lehrgang mit Ablegen einer Prüfung erworben werden.
Beim Böllern außerhalb von Schießständen ist bei der Kreispolizeibehörde eine Genehmigung zu erteilen, die alle 5 Jahre erneuert werden muss; diese wird vom Schützenverein beantragt. Die gleichzeitig geforderte Haftpflichtversicherung trägt ebenfalls der Schützenverein.
Neben Josef Becker jun. sind vom Böllerkommando Heiden Hermann Mußenbrock und
Josef Wissing im Besitz einer Böllererlaubnis.

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Ablauf des Böllerschießens beim Schützenfest

Das Schützenfest wird in Heiden traditionsgemäß Samstags um 18.oo Uhr an der Brookstegge mit 6 Böllerschüssen eröffnet. Damit wurde der arme Mann aus Heiden hinausgeböllert; d.h., wer jetzt feierte, hatte dazu auch Geld, gleichgültig, ob er es sich leisten konnte oder nicht.
Weitere 6 Schüsse erfolgen hinter der kath. Kirche jeweils zu Beginn der Schützenmesse und beim Schlusssegen.
Höhepunkt ist die Kranzniederlegung am Ehrenfriedhof zu den Klängen von „Ich hatte einen Kameraden" mit weiteren 6 Böllerschüssen.
Während des Böllerns bzw. in den Schießpausen trifft man sich bei der Gaststätte Dunckhöffner. Am Ehrenfriedhof wird traditionell auf dem Grundstück der Familie Junker geböllert mit einer entsprechenden Bewirtung. 


Josef Becker beim Zünden des Böllers an der Brookstegge

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Gesellschaftliche Brauchtumspflege

Das Heidener Böllerkommando hat sich zum Ziel gesetzt, im Rahmen der Brauchtumspflege die Tradition des Böllerschießens auch für die Zukunft zu sichern.
Durch viele gesellschaftlichen Aktivitäten kommt dabei auch der Spaß nicht zu kurz. Einmal jährlich wird zu einer Mitgliederversammlung im Stammlokal Dunckhöffner eingeladen. Eine Woche vor Schützenfest muss auch durch ein Vorüben der gesamte Ablauf des Böllerschießens geübt werden.
Zusammen mit den Ehefrauen werden jedes Jahr einige Aktivitäten unternommen, entweder Tagesausflüge oder gemeinsame Feste, aber auch ein jährliches Weihnachtsessen.
Dadurch wird die Brauchtumspflege nicht nur durch das Böllerkommando Heiden, sondern auch durch die einzelnen Mitglieder nach außen hin dokumentiert und praktiziert.

Böllerkommando Heiden 
Vorsitzender: Josef Becker
Akazienstraße 12
46359 Heiden
Tel.: 02867/9277

Heiden, den 28.06.2003

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