Borkener Zeitung, 7. August 2004

Die Ex-Regentinnen Ulrike Rohring, Paula Willing und Annette Brun (v.l.)
sind sich einig: Ohne Schützenkönigin läuft überhaupt nichts. Foto: pv
Heiden (pv). Während das Thermometer dem Sommer entsprechende
Temperaturen anzeigt, ist es im Gasthof Willing angenehm kühl. Dort
sitzen, während das Schützenfest seine Schatten voraus wirft, drei
Generationen ehemaliger Schützenköniginnen zusammen: Annette Brun (37),
Ulrike Rohring (61) und Paula Willing (87). Zwar mussten sie nach einem
Jahr Regentschaft ihre Krone weitergeben, doch schöne Erinnerungen an
aufregende Tage blieben. Ebenso wie das Fazit: "Das muss man erlebt
haben!"
"Nein sagen - das wäre nicht gegangen", erinnert sich Paula Willing, wie
Anton Junker 1965 gefragt hat, ob sie Königin werden wolle. Als er an der
Vogelstange den letzten Schuss abgab, ging es bei Paula Willing - wie bei
jeder anderen Königin - erst richtig los: Haare frisieren lassen und
Kleider kaufen.
"Das läuft erst alles an einem vorbei", erinnert sich Annette Brun an die
ersten Stunden nach dem Königsschuss, den 1998 Ulrich Lohaus abgab. Doch
Vorstand und Festwirt Alois Willing "haben alles fest im Griff gehabt."
Natürlich stehe man unter Zeitdruck. "Doch ohne Königin läuft nichts",
beruhigt Ulrike Rohring immer die Regentinnen, wenn die bei ihr im
Frisierstuhl sitzen. "Ich saß im Salon, hatte die Füße im Wasser, in der
einen Hand ein Glas Sekt und in der anderen das Telefon", denkt Annette
Brun lachend an die letzten Anrufe kurz vor der Proklamation zurück.
1994, Josef Brun hatte den Vogel von der Stange geholt, war es dann Ulrike
Rohring selbst, die die Krone aufgesetzt bekam. Und sie lässt keinen
Zweifel: "Ich habe das immer gewollt und würde das sofort wieder machen."
Das sei überhaupt das Wichtigste, bestätigt Paula Willing, während sie vom
Fotoalbum aufblickt, "man muss das wollen und Spaß haben." Und Spaß haben
sie 1965 beim Krönungsball im Festzelt, das damals noch hinter der Kirche
stand, gehabt. "Die Familie stand dahinter, und alle Geschwister waren mit
auf dem Thron." Für sie war der Ehrentanz das schönste Erlebnis, erzählt
die 87-jährige mit leuchtenden Augen.

Königspaar 1998: Annette
Königspaar 1965: Paula
Königspaar 1994: Ulrike
Brun und Ulrich Lohaus
Willing und Anton Junker
Rohring und Josef Brun
Während für Annette Brun der Zug durchs Dorf die bedeutendste Erinnerung
darstellt, schwärmt Ulrike Rohring vom Einzug auf den Maibökenplatz. Ins
Schwärmen geraten die drei Königinnen a. D. auch, als sie von ihren
Kleidern reden. "Ich hatte ein beigefarbenes. Stufenspitzenkleid" , weiß
Paula Willing und meint zum Thema Kosten: "Man kann von einer Frau nicht
verlangen, dass sie nur ein Kleid an den Schützenfesttagen trägt." Auch
ihr Mann habe ihr vor dem Einkaufen gesagt, "du gönnst dir was." Doch ehe
Frau sich was gönnt, muss der Thron stehen - denn der siegreiche Schütze
kann zwar den entscheidenden Treffer an der Vogelstange erzielen. Doch
wenn die Königin fehlt, wird es nichts mit der Königswürde. "Wir haben das
Samstagnacht innerhalb von zehn Minuten geregelt", sagt Ulrike Rohring.
Einen Tag vorher sei sie gefragt worden, erinnert sich Annette Brun an die
Bildung der Großen Koalition auf dem Schützenfestthron, "Uli war damals
SPD- und ich CDU-Ratsmitglied." Was sie nie vergessen werde, "wie die
Fraktionskollegen mit einer roten und einer schwarzen Socke an der Straße
gestanden haben."
Nicht vergessen wird Paula Willing den Moment, als sie aus der Gaststätte
kam. "Die Leute haben sich so gefreut, das war toll. "
Und was geben die drei Expertinnen neuen Königinnen mit auf den Weg? "Die
Etikette wahren", antwortet Paula Willing ohne Zögern, "elegant und
freundlich sein und nicht betrunken auf den Thron kommen." Angst vor dem
großen Auftritt müsse niemand haben. "Es gibt tolle Adjutanten, der
Vorstand kümmert sich hervorragend. Wer dann trotz des Trubels und der
Temperaturen einen kühlen Kopf bewahrt, wird seine Regentschaft sicherlich
genauso genießen wie die drei Damen in der kühlen Gaststätte.