Borkener Zeitung, 09. August 2003
Don-Letter zwischen Tradition und Moderne: 30 Familien legen Wert auf Gemeinsinn und Kontakt
Von Hubert H. Konert

Für das Königspaar Roswitha Albersmann und Siegfried Steinberg bauten die
Nachbarn den Bogen. Foto:hhk
Heiden. Einen stattlichen Bogen hat die Nachbarschaft Don-Letter
ihrer Königin Roswitha Albersmann gesetzt. Die 45-Jährige ist die erste
Blaublütige im Wohnquartier. Das muss gewürdigt werden. Allein 50 Nachbarn
sind am Sonntag im großen Zelt mit von der Partie, wenn das amtierende
Königspaar Hof hält.
Don-Letter steht für rund 30 Familien, die sich im Baugebiet (BN 26) an
der Bernhard-Letterhaus-Straße und der Don-Bosco-Straße zu einer
Gemeinschaft zusammengeschlossen haben.
900 Rosen und ein viele Meter langer Kranz künden von dem Respekt, den sie
dem amtierenden Königspaar der St-Georgius-Schützen entgegen bringen.
König Siegfried Steinberg (38) vom Lohauser Esch ließ sich ebenfalls bei
den Don-Lettern am Donnerstagabend sehen, als der Kranz positioniert
wurde.
Die junge Nachbarschaft wurde im Herbst 1996 ins Leben gerufen.
Initiatoren waren die ersten Grundstückseigentümer, die gebaut hatten.
Namen wie Hüsken, Katemann, Rotthaus, Schäfer, Schlusemann fallen im
Gespräch. "Wir sind über das Bauen in Kontakt gekommen", berichtet
Bernhard Schäfer. Man habe sich geholfen, Material getauscht, Arbeitskraft
zur Verfügung gestellt.
"Gemeinschaft fördern, engen Kontakt halten", beschreibt der derzeitige
Gildeherr Mirko Brüninghoff (27) die Zielsetzung. Zusammen mit Hedwig
Heßling und Tanja Kösters organisiert er ein Jahr lang die Nachbarschaft.
Das Trio muss nicht alle Aufgaben alleine meistern. Die drei delegieren
und organisieren gemeinsame Unternehmungen. "Alle packen dabei mit an",
sagt Mirko Brüninghoff. Der Gildeherr stellt den Kontakt her, fragt
Bedarf, Interesse und Beiträge einzelner für Kuchen und Salate vor dem
jährlichen Nachbarschaftsfest ab. Der Gildeherr begleitet auch die Kinder,
wenn sie beim Palmstocksingen vor Ostern von Haus zu Haus ziehen.
Drei Ereignisse - wenn nicht gerade eine Königin aus den eigenen Reihen
kommt - prägen das Jahr: Ein mehrere Tage andauerndes Nachbarschaftsfest,
bei dem besonders die Kinder (Nachtwanderung, Schlafen im Zelt,
Vogelschießen) auf ihre Kosten kommen sowie die Juni-Versammlung (Übergabe
an den neuen Gildeherrn) und das letzte Wochenende in den großen Ferien.
Dann wird ein Lagerfeuer auf einem der wenigen, unbebauten Grundstücke
entfacht, und die Kinder essen Stockbrot und singen Lieder.
"Jeder brachte aus seiner früheren Umgebung Erfahrungen aus einer
Nachbarschaft mit", erzählt Bernhard Schäfer, der gebürtig aus Marbeck
stammt. Die Don-Letter-Statuten seien also das Ergebnis unterschiedlicher
Erfahrungswerte.
Als "jung, kinderreich und gut bürgerlich" charakterisiert Guido Hüsken
(43) das Wohnquartier. Niemand werde zur Mitgliedschaft gedrängt. Aber
Neuzugezogene werden freundlich gefragt, ob sie mitmachen möchten. Das
Duzen gehöre zum guten Umgangston. Das gelte sowieso für ganz Heiden. Und:
Wer Hilfe erbitte, der könne mit seinen Nachbarn rechnen.
Heiratet ein Paar, so wird auf Wunsch ein Kranz gebunden und aufgehängt.
Gold- und Silberjubiläen haben die Don-Letter bislang noch nicht begangen.
Dafür sind sie noch zu jung. Im Fußball haben es die Don-Letter 2001 bei
der Dorfmeisterschaft auf den ersten Platz gebracht.
Wenn die marschierenden St.-Georgius-Schützen am Sonntag ihre Königin
abholen, sind auch die Nachbarn stolz. Sie sind sicher: "Roswitha wird auf
dem Thron eine gute Figur machen."