Borkener Zeitung, 09. August 2008

Montag endet die Regentschaft von Thomas Dirks und Katharina Nuss.

Benedikt Kemper regierte 1986 mit Karin Albersmann (heute Derijck).

Schützenkönig 1966: Willi Knüwer regierte mit Königin Maria Thesing.
Heiden (pv). In der Kutsche, auf dem Thron, bei der Parade: Der Schützenkönig steht immer im Mittelpunkt, hat kaum einen unbeobachteten Moment. Ob er dabei das Schützenfest noch genießen kann? Die BZ sprach mit drei Generationen von Majestäten. Und unabhängig davon, ob sie 1966, 1986 oder 2007 den finalen Schuss taten die Antwort ist dieselbe: "Ich würde es sofort noch einmal machen." Majestät zupfen am Samstagmorgen höchstpersönlich das Unkraut im Garten. Wobei Majestät nicht ganz korrekt ist. Schließlich ist es 42 Jahre her, dass Willi Knüwer Schützenkönig war. Während einer Audienz in der Gartenhütte bringt es der heute 82-Jährige auf den Punkt: "Es war eine wunderschöne Zeit."
Dabei war es ein besonderes Vogelschießen, das 1966 im Elschatt stattfand. Denn alle Knüwer-Brüder schossen mit. "Den Vogel hatten wir vorher selbst in den Kugelfang gesetzt", lacht Majestät a.D.. Denn die Brüder waren lange Jahre als Vogelstangenkomittee im Einsatz, richteten jedes Jahr die Vogelstange her. Es sei ein rauschendes Fest auf dem Thron gewesen, erinnert sich der gelernte Schlosser. Vielleicht haben auch die Getränke dazu beigetragen, "es gab kein Bier auf dem Thron, nur Schnaps und Erdbeerbowle mit Cognac." An den letzten Schuss kann sich Willi Knüwer und das hat nichts mit den Throngetränken zu tun nicht mehr erinnern, "aber ich weiß noch ganz genau, dass meine Frau zur Vogelstange kam, mich in den Arm nahm und geküsst hat." Denn eine Sache sei wichtig für den König: "Die Familie muss hinter einem stehen."
Dass Geschwister gemeinsam auf den Vogel schießen, das hat schon Seltenheitswert. Dass aber der Sohn den Vogel des Vaters zerschießt, das passiert noch seltener. 20 Jahre nach Knüwer schoss Benedikt Kemper den Vogel ab. Und zwar den, den sein Vater geschnitzt hatte. "Eigentlich wollte ich nur ein bisschen üben", lacht Kemper heute. "Doch nach der Schießpause waren nur noch Ludger Derijck und ich übrig." Mehr als 80 Schüsse haben beide abgefeuert, anschließend war die Schulter blau aber die Freude groß. "Ich würde es sofort noch einmal machen", betont der 49-jährige Bildungsreferent.
"Wir hatten tolle Feten", gerät Kemper, der selbst seit 1997 den Vogel für das Königsschießen baut, ins Schwärmen. Was ein König mitbringen muss? "Du musst einfach Spaß daran haben", hat er ein einfaches Rezept und ergänzt, "finanziell war das auch damals schon tragbar." Wenn nicht beim Bezahlen, so geriet Kemper kurz vor der Proklamation ins Schwitzen, denn "der neue Anzug war noch warm vom Bügeln."
Das wird dem amtierenden Schützenkönig, Thomas Dirks (31) nicht passieren. Nicht, weil er als Schweißer hohe Temperaturen gewöhnt ist, sondern weil zwei neue Anzüge und neue weiße Hemden bereits im Schrank hängen. Statt mit Hitze kämpft der Schützenkönig mit etwas anderem: "Ich habe absolutes Lampenfieber." Kein Wunder, wird er doch seit Tagen im Dorf angesprochen und von Leuten gegrüßt, "die ich vorher noch nicht kannte; vor allem seitdem die Plakate hängen."
Dabei war das mit der Königswürde ein spontaner Beschluss, "und den bereue ich auf keinen Fall, das muss man erlebt haben." Nur beim Gedanken an die Reaktion seiner Mutter wurde ihm kurz mulmig. "Sie hat noch gesagt, dass ich an der Vogelstange keinen Blödsinn machen soll", lacht Dirks. Doch die Eltern ziehen mit. An den letzten Schuss kann auch er sich nicht erinnern. "Zum Glück konnte ich mir das noch mal auf Video anschauen."
Dem amtierenden König stehen noch tolle Tage bevor, "und darauf freue ich mich riesig."