Borkener Zeitung, 12. April 2003
Heiden. Leutnant, Major, Oberst und Schützenkönig - Karl Ebber hat im
Allgemeinen Bürgerschützenverein St. Georgius Heiden viele Posten bekleidet.
Hoch zu Ross prägte er das Bild auf unzähligen Umzügen durch das Dorf. Doch
nach fast 30-jähriger Zugehörigkeit zum Offizierskorps ist in diesem Jahr
Schluss.
"Man muss aufhören, wenn das Offizierskorps top in Schuss ist",
berichtet der Oberst. Entscheidend sei auch sein Alter. "Besser man geht
jetzt in Ehren, als wenn man später gedrängt wird", so Ebber (Jahrgang
1941), der künftig ohne Schulterklappen, Säbel und weiße Hosen zu sehen sein
wird.
Seit 1971 ist Karl - "Charly" - Ebber Offizier im Schützenverein.
"Meine Motivation war, die Tradition aufrecht zu erhalten", erinnert
sich der kaufmännische Angestellte an seine Beweggründe, in die Uniform zu
steigen. Die füllte er so gut aus, dass er seit 1996 als Oberst in der ersten
Reihe steht und die Kommandos gibt. Auch wenn er dabei gelassen wirke, sei er
immer nervös, berichtet seine Frau Anne. Doch hat der bis zur heutigen Schützenversammlung
amtierende Oberst ein erprobtes Rezept: zwei Wacholder. Ob die im Spiel waren,
als er am Schützenfestmontag vor dem Rathaus Pastor Köster mit "Ich heiße
Pastor Busche herzlich willkommen", begrüßte, ist nicht bekannt.
Dass Charly Ebber 1959 in den Schützenverein eintrat, war für den
"Kirmeskerl" keine Frage. "Als Heidener gehört man zum größten
Fest dazu." Ebber war nicht nur dabei, sondern mittendrin. Etwa 1963 als
Ehrenkönig von Norbert Oenning, und schließlich 1973 als Schützenkönig.
Diesem Jahr verdankt er auch den nach ihm benannten Marsch "King Charles
Marsch". "Den hat die Musikkapelle damals neu eingeführt",
erinnert sich der gelernte Kfz-Mechaniker auch an den Festausschuss, der während
des Umzuges Marschwalzer auf die Melodie getanzt habe.
Der schönste Moment während des Schützenfestes "ist der Samstag, kurz
bevor es anfängt. Und das Kommando 'Bataillon Stillgestanden' bei der
Parade."
Dass es bereits einige Tage zuvor kribbelt, weiß seine Ehefrau zu berichten.
"Drei Tage vor dem Fest liegt hier alles herum, werden der Säbel geputzt
und die Schulterklappen auf Hochglanz gebracht", erzählt die "Frau
Oberin". Sie griff ihrem Mann während der Kirmestage unter die Arme,
machte Salate, wenn Offiziere und Frauen am "Dullen Dienstag" zum
Grillen in den Garten kamen.
Was er seinem Nachfolger rät? "Das Motto Ordnung, Eintracht, Frohsinn muss
an der Bataillonsspitze gelebt werden." Als vierte Tugend käme bei den
Offizieren Pünktlichkeit hinzu. Dass er noch einmal auf den Vogel hält, ist für
Ebber ausgeschlossen. Als Mitglied des Festausschusses ist er auch in diesem
Jahr nicht in Zivil unterwegs. Später will er als "linker Flügelmann"
in der ersten Kompanie marschieren.