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St. Georgius

Heiden

 
Borkener Zeitung, 12. August 2006


Mit der Kette (v.l.): Franz Nienhoff, Präsident von 1984-1994, Werner Holdschlag, Präsident seit 2000, Alfons Klein-Höing, Präsident von 1994-2000 und Karl-August Kremer, Präsident von 1968-1984. Foto: pv

Präsident und Kirmes-Kerl

BZ-Gespräch mit vier Männern über die Ausstattung, die zum Führen der Schützen gehört

Heiden (pv). Erste Vorsitzende gibt es in Heiden viele, einen Präsidenten aber nur einmal. Und der steht dem seit 1613 existierenden Allgemeinen Bürger-Schützenverein St. Georgius Heiden vor. Doch was sind die Aufgaben des Schützenvereinspräsidenten? Wie erlebt und feiert er das Schützenfest? Was waren besondere Erlebnisse während der Festtage? Die BZ sprach jetzt mit drei ehemaligen und dem amtierenden Präsidenten des Schützenvereins über Aufgaben, Pflichten und das Fest des Jahres.
"Das ist eine Premiere", lachen die vier Männer, die am Esszimmertisch in der Wohnung von Werner Holdschlag Platz genommen haben, "Wir sitzen zum ersten Mal beim Kaffee zusammen." Eines verbindet Karl-August Kremer, Franz Nienhoff, Alfons Klein-Höing und Werner Holdschlag: Sie wissen, wie es ist, dem Heidener Schützenverein vorzustehen und können sich noch gut an das erste Schützenfest im Amt erinnern.
"Lampenfieber hatten wir alle", sagt Franz Nienhoff, Präsident von 1984 bis 1994, und die Kollegen nicken. "Plötzlich steht man in der ersten Reihe", sagt Werner Holdschlag, Präsident seit 2000, "und wenn man ins Mikrofon spricht", führt sein Vorgänger Alfons Klein-Höing lachend den Satz zu Ende, "ist man der einsamste Mensch der Welt."
Auch Karl-August Kremer, er trug die silberne Kette des Präsidenten von 1968 bis 1984, weiß noch genau, wie es war, die Nachfolge von Franz Kuuf anzutreten. "Seinerzeit hatten wir mit einigen Widerständen aus den-Reihen der Älteren zu kämpfen, etwa beim Abschaffen der Zylinder", so Kremer, "das war ein anderer Zeitgeist."
Heute als Präsident während des Umzuges einen Schützen, der nicht mitmarschiert, am Arm zu packen und in den Zug hineinzuziehen, das geht nicht mehr. "Das ging bei meinem Vorgänger noch militärischer zu", erinnert sich Kremer. Darin sehen die Männer auch eine wesentliche Aufgabe des Präsidenten: behutsam Aktualisierungen einführen und dabei die Tradition des Vereins nicht aus den Augen verlieren.
"Man muss Tendenzen erkennen und darf dabei nicht opportunistisch werden; am Grundgerüst darf nicht gerüttelt werden", ist sich Alfons Klein-Höing, von 1994 bis 2000 in Amt und Würden, sicher. "Daneben möchten wir auch, dass die Tradition weitergegeben wird, dass die Jugend das Schützenfest lebendig hält" , sieht Franz Nienhoff eine Aufgabe für Vorstand und Präsident.
Einigkeit herrscht am Präsidententisch auch über die Qualitäten eines Präsidenten. "Er sollte Teamgeist, Organisationstalent und Kompromissfähigkeit mitbringen", so Werner Holdschlag. "Und ein Kirmes-Kerl muss er natürlich auch sein", ergänzt Nienhoff. Dabei sind die Erlebnisse, die man in diesem Amt macht, vielfältig. Von geklauten Fahnen bis zu Schützen, die nach dem finalen Treffer von der Vogelstange wegrennen. "Da sind wir stur geblieben", erinnert Karl-August Kremer an das Jahr 1983, "einige Leute meinten, dass wir den Vogel wieder auf die Stange setzen sollten." Doch nachdem man den siegreichen Schützen gefunden hatte, "haben wir ihn am Arm genommen, ihm gut zugeredet - und damit hatten wir einen der besten Könige."
Unvorhersehbares zu regeln, ist vielleicht die größte Herausforderung. Das erlebte auch Franz Nienhoff, . der gleich im ersten Amtsjahr mit einem Unwetter: fertig werden musste. Kurzerhand wurde der Zapfenstreich ins Zelt verlegt.
Daher genießen die Verantwortlichen den Alkohol nur in Maßen. "Man kann sich nicht gehen lassen, daher bleibt der Alkohol beiseite. "Plötzlich können tragische Ereignisse eintreten, wie etwa ein Todesfall auf der Tanzflächeoder ein während der Festtage verstorbener Vorstandskollege. So lautet eine der Tugenden für alle, die Verantwortung übernehmen: Disziplin.
Dennoch: Genossen haben alle die Schützenfeste. „Ich denke mit Wehmut an die Zeit zurück“, so Kremer. „Wir können alle sagen, dass wir diese Zeit nicht missen möchten“, so sind die vier unisono, „und wir sind stolz auf die Beteiligung aller, die am Gelingen dieser Veranstaltung mitwirken. Das ist und bleibt ein tolles Fest - um die Zukunft ist uns nicht bange.“
Eines ist den Präsidenten dann noch wichtig: „Nicht der Präsident ist die wichtigste Person beim Fest, sondern die Majestäten.“

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