Borkener Zeitung, 12. August 2008

Schutz vor Regen und Sonne: Mehrere 100 Zuschauer verfolgten das Treiben im Vogelpark. Fotos: Konert
von Hubert H. Konert
Heiden. Wenn viele Schuhe in eine Richtung fliegen, ist Duller Dienstag. Den Werktag nach dem offiziellen Fest des Jahres der Georgius-Schützen haben die Junggesellen für ihren Schabernack gebucht. Dann gilt der Ausnahmezustand im gesperrten Ortskern. Heiden feiert schrill aber friedlich Karneval im Sommer mit vielen Zaungästen aus der Umgebung. Die fragen sich mitunter, wer denn die ausgelassene Meute von der Kette gelassen hat und grinsen sich eins. Solange, bis sie selbst in das ausgelassene Treiben einsteigen: Grölend, singend, tanzend, lachend und flirtend.

Direkt nach dem Abwurf: Manuel Steinberg, Martin Kotzian, Tim Wilde und Philipp Lewers
Wenn wir richtig gerechnet haben, gibt es den Dullen Dienstag seit 30 Jahren. Gestern war es nicht anders als in den Vorjahren. Feuchtfröhlich und lautstark ging es zunächst beim werfenden und zuschauenden Jungvolk im Vogelpark zu. Allenfalls der Blick auf die Gebäude im Umfeld war gewöhnungsbedürftig. Denn die frühere Krankenstation ein Riegel mit wenig ansehnlichen, gelben Klinkersteinen war verschwunden. Männer eines Abrissunternehmens hatten das lange Elend aus Stein zerlegt und aus dem Park gebaggert. Das Gebäude, das zuletzt als Wohnraum gedient hatte, war nach der Umbau überflüssig geworden. Planen an Absperrgittern verhüllten die Abrissfläche.

Frisch gestylt und geschniegelt: Heidens Gaudi-Thron 2008
Die Regeln beim Ermitteln des vierköpfigen Gaudi-Throns sind einfach. Unter anfeuernden Rufen werden Schuhe auf einen Vogel geschleudert. Wer ihn abwirft, ist König. Beim Kampf um die Würde wird natürlich getrunken. Mitglieder der Musikkapelle und des Spielmannszuges spielten dazu kräftig auf. Der Gaudikönig 2008 heißt Manuel (Storni) Steinberg (23); er traf den Vogel am Besenstil exakt um 17.06 Uhr. Seine Königin wurde Martin Kotzian, Ehrenkönig ist Tim Wilde, und die Ehrendame heißt Philipp Lewers. Dank guter Beratung und mit viel Farbe wurden wieder aus zwei Männern Frauen in schrillem Outfit.