Im Jahre 1959 stand eine erneute weitreichende Entscheidung des Vereins an. Die Generalversammlung vom 30.3.1959 hatte die Aufgabe, einen neuen Präsident zu wählen. Der amtierende Präsident Heinrich Böckenberg legte sein Amt nieder und stand für eine Wiederwahl nicht zu Verfügung. Die Generalversammlung sprach ihm großen Dank aus und ernannte ihn zum Ehrenpräsidenten des Vereins. Heinrich Böckenberg hatte sechs Jahre lang die Geschicke des Vereins geleitet.
Die Versammlung wählte aus den Reihen von vier Bewerbern mit
überwältigender Mehrheit Franz Knuf zum neuen Präsidenten. Ihm zur Seite
standen:
Johann Höing-Tücking (stellvertr. Präsident)
Hans Frericks (Schriftführer)
Vinzenz Meirick (stellvertr. Schriftführer)
Bernhard Lensing (Kassierer)
Karl-August Kremer (stellvertr. Kassierer)
Werner Denker und Rudi Klapsing (Organisations- und Gerätewarte)
Im gleichen Jahr erhielt der Schützenverein anlässlich des Schützenfestes Besuch aus Portland (USA). Ein im Jahre 1924 ausgewanderter Heidener Junge, Hermann Möllmann, weilte erstmals nach 34 Jahren wieder in seiner Heimat. In der Ausgabe vom 8./9.8.1959 der Borkener Zeitung erschien ein Artikel zum Lebenslauf dieses Schützen.
Offensichtlich befand sich der Verein Anfang der 60er Jahre in einer finanziell gesunden Situation. Wie aus den Annalen hervorgeht, konnte der Verein einen Zuschuss in Höhe von DM 1.220,- für die die Neugestaltung des Ehrenfriedhofes zur Verfügung stellen.
Das Aufholen des Osterfeuers war immer wieder Thema verschiedener Generalversammlungen. Letztmalig wurde anlässlich der Generalversammlung vom 25.9.1960 nochmals die Beibehaltung der traditionellen Regelung beschlossen. Wohl aufgrund der Vorkommnisse beim Osterfeuer 1961 trat der damalige Pfarrer Busche mit dem Vorstand in Kontakt und erschien auf der Vorstandssitzung vom 25.3.1961 mit der Bitte, der Verein möge veranlassen, dass während des Zuges durchs Dorf kein Alkohol mehr getrunken werde. Man möge die Wirte, die sonst gratis Alkohol ausschenkten, dazu veranlassen, hierfür eine Geldspende zu leisten.

Der Vorstand im Jubeljahr 1963

Franz Knuf Präsident von 1959 bis 1968

Heinrich Böckenberg mit Hermann Möllmann aus Portland
Wie bereits an anderen Stelle erwähnt, wurde in früheren Jahren regelmäßig anlässlich einer Generalversammlung darüber abgestimmt, ob ein Schützenfest gefeiert werden sollte. Wenn auch heute diese Frage außerhalb jeder Diskussion steht, so war es offensichtlich damals sehr wichtig, hier eine Entscheidung herbeizuführen. So entschieden sich anlässlich der Generalversammlung vom 3.4.1961 etwa 75% der anwesenden Schützen gegen die Durchführung des Schützenfestes 1961. Eine deutliche Bierpreiserhöhung war wohl der Hintergrund dieser Entscheidung. Offensichtlich war das Heidener Schützenfest bereits zur damaligen Zeit über die Grenzen Heidens bekannt, so dass sogar die Münsterländische Zeitung zu diesem Thema berichtete.
Der Vorstand hielt es allerdings für notwendig, anlässlich der folgenden Generalversammlung am 28.5.1961 diese Frage erneut zur Diskussion zu stellen. Wohl aufgrund der sehr wesentlichen Fragen "Soll das Schützenfest 1961 gefeiert werden oder nicht", waren über 200 Schützen erschienen, wovon sich mehr als die Hälfte (121 Stimmen) für die Durchführung des Festes entschieden.

An der Vogelstange im Jahre 1969 und 1961 mit Vertretern der
Kirchen und politischen Gemeinde (1)

An der Vogelstange im Jahre 1969 und 1961 mit Vertretern der
Kirchen und politischen Gemeinde (2)

Oberst Johann Kremer
Erstmals in den Protokollen des Jahres 1961 ist von der Anschaffung eines Königswagens mit Geschirren die Rede. Dies war bereits der zweite Wagen, den der Verein kaufte.
Offensichtlich sah die Versammlung ein neues Problem auf den Vereinzukommen. sie beschloss, dass Mitglieder, die im Alter von 55 Jahren dem verein beitreten wollen, einen Fünfjahresbeitrag als Aufnahmegebühr zahlen sollen. Darüber hinaus wurden die Zuwendungen für die Majestäten auf insgesamt DM 1.000, DM 600, für den König, DM 400 für die Königin, festgesetzt.

Majestäten Josef Becker und Lucie Kremer im Jahre 1962

Bürgermeister August Kremer bei der Ansprache im Jahre 1962

Präsident Franz Knuf bringt im Jubeljahr 1963 ein "hoch" auf den Verein
aus

Die im Jahre 1963 angeschaffte Vereinsfahne

Der Vorstand an der Marienschule im Jahre 1963

Johann Neuschmelting, Werner Denker und Heinrich Honeborn als Herolde im
Jahre 1963
Im Jahre 1962 lief die erste Amtsperiode von Präsident Franz Knuf ab. In der Generalversammlung vom 23.4.1962 wurde er einstimmig für eine weitere Amtsperiode zum Präsidenten gewählt. In dieser Zeit bewarben sich offensichtlich die ersten Nachkriegsjahrgänge um die Königswürde. Anders kann wohl die Entscheidung der Hauptversammlung vom 17.6.1962 nicht verstanden werden, die beschloss, dass Königinnen ein Mindestalter von 18 Jahren haben müssen.
Im Jahre 1963 stand als außergewöhnliches Ereignis das 350jährige Jubiläum des Vereins an. Bereits anlässlich der Osterversammlung am 23.4.1962 wurden die ersten vorbereitenden Entscheidungen hierzu getroffen. In dieser Generalversammlung wurden als neuer Oberst Johann Kremer und als Major Josef Thesing gewählt. Es wurde beschlossen, zu diesem Fest eine ansehnliche Festschrift herauszubringen, die die Vereinsgeschichte aus damaliger Sicht beleuchten sollte. Der Verein hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 800 Mitglieder und Senioren. Es wurde ein Betrag von DM 8,- je Schütze erhoben. Um nicht mit einem neuen Vorstand die großen Aufgaben des Jubeljahres bewältigen zu müssen, verlängerte die Generalversammlung vom 7.4.1963 die Amtszeit des amtierenden Vorstandes um ein weiteres Jahr. Die Versammlung beschloss gleichzeitig die Anschaffung von Ehrenketten für die Vorjahresmajestäten sowie für das Ehrenkönigspaar.
Eine Vielzahl von Ehrengästen sowie auswärtigen Vereinen umrahmte die damaligen Jubiläumsfeierlichkeiten. Das gesamte Fest wurde ein voller Erfolg, nicht zuletzt das attraktive Königspaar - Josef Becker und seine Mitregentin Lucie Kremer - trug zu der berauschenden Stimmung dieses Festes bei. Als besondere Attraktion hatte man einen Fanfarenzug engagiert. Als besonders hoher Ausgabeposten schlug die Anschaffung einer neuen Vereinsfahne zu Buche, die anlässlich des Festaktes 1963 geweiht wurde.



Pastor Platte, Bürgermeister Kremer und Gemeindedirektor Bollwerk
Mitgliedern des Vorstandes beim Abschreiten der Front

Beim Abholen der Geistlichkeit 1964

Aufmarsch im Park

Umzüge in den 60er Jahren (1)

Umzüge in den 60er Jahren (2)

Umzüge in den 60er Jahren (3)

Bilder aus den Jahren 1964 und 1965 (1)

Bilder aus den Jahren 1964 und 1965 (2)

Bilder aus den Jahren 1964 und 1965 (3)

Bilder aus den Jahren 1964 und 1965 (4)

Bilder aus den Jahren 1964 und 1965 (5)

Umtrunk bei "Tante Helmi" (1)

Umtrunk bei "Tante Helmi" (2)

Anton Berger bei einem Musikstück in Bodennähe
Im Jahre 1967 kam erneut die Diskussion um das Einholen des Brennmaterials für das Osterfeuer zur Sprache. Wie bereits in den vergangenen Jahren wurde der übermäßige Alkoholkonsum hierbei beanstandet. Die Junggesellen des Vereins hatten nämlich alljährlich die Aufgabe, am Ostersonntag Holz für das Osterfeuer zusammenzufahren. Der so genannte " Paoskeboom" wurde geholt und bei Eintritt der Dunkelheit flackerte dann zur Freude der ganzen Bevölkerung, insbesondere aber der Jugend, das Osterfeuer auf. Osterlieder erklangen, passende Verse wurden vorgetragen und danach wurde der "Paoskeboom" versteigert. Nach dem Verlöschen des Feuers ging es im geschlossenen Zug mit Musik ins Dorf zurück. Aufgrund der unliebsamen Vorkommnisse beim Holzaufholen spricht sich die Generalversammlung vom 18.3.1967 gegen eine Fortführung des Holzaufholens aus. Damit geht eine alte Heidener Tradition zu Ende.

Beim Aufholen von Brennmaterial für das Osterfeuer (1962) (1)

Beim Aufholen von Brennmaterial für das Osterfeuer (1962) (2)

Beim Aufholen von Brennmaterial für das Osterfeuer (1962) (3)

Beim Aufholen von Brennmaterial für das Osterfeuer (1962) (4)
Quelle:
Tradition und Gemeinschaft, 375 Jahre Schützenwesen in Heiden
Allgemeiner
Bürgerschützenverein "St. Georgius" e.V. Heiden/Westfalen 1988