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St. Georgius

Heiden

 

Leblicher Schützen

Aus dieser Zeit - der Amtsperiode Christoph Bernhards von Galen - stammt die älteste Plakette der Leblicher Schützenbruderschaft St. Georg. Das Kleinod besteht aus dem Brustschild und einer (heute) angehängten Armbrust (ca. 14 cm lang), die aber ursprünglich allein als Spange getragen wurde - sie ist entsprechend gearbeitet. Auf der Armbrust befindet sich die vergoldete Figur einer Heiligen, die auf einem Rad steht. Beide Teile, Figur und Rad, sind sehr unscharf in ihren Konturen, doch muss man sie wohl als hl. Katharina deuten.


Armbrust des Leblicher Königssilbers
mit Figur der heiligen Katharina

Die Katharinenverehrung ist eine Nachwirkung der Kreuzzüge, breitete sich seit etwa dem 12. Jahrhundert in Deutschland aus, kam im westlichen Westfalen besonders oft vor und wurde vor allem vom Ritterstand gepflegt. Daß es in Leblich zur Entstehung einer Katharinengilde kam, ist wohl durch das Vorhandensein eines Katharinenaltars in der Heidener Pfarrkirche zu erklären. Am 7. Januar 1373 bestätigte der Bischof von Münster die Stiftung eines Altares zu Ehren der hl. Jungfrau, der hl. drei Könige und der hl. Katharina durch den Knappen Wennemar von Heyden und seiner Familie. Der jeweilige Inhaber der mit dieser Stiftung verbundenen Vikarie war verpflichtet, im Kriegsfalle auf der Burg Engelrading an bestimmten Tagen und Festen die Messe zu lesen.


Ältester Schild der Leblicher Schützen von 1654
mit Figur des hl. Georg in zeitgenössischer Tracht
und drei Engelsköpfen.

Die Armbrust könnte also vielleicht ein Geschenk der Heidener Freigrafenfamilie auf Haus Engelrading an die Leblicher Katharinengilde sein. Es spricht vieles dafür, dass diese Armbrust das ursprüngliche Kleinod der Leblicher Schützen war und bereits aus dem 15. oder 16. Jahrhundert stammt, was ja auch hinsichtlich des Vogels und der Armbrust an der besprochenen "Gründungs"-Plakette des Heidener Bürgerschützenvereins gilt, doch entzieht sich eine genaue Datierung unseren Möglichkeiten. Die Leblicher Plakette, als Wappenschild in Silber gearbeitet (ca. 11,8 cm hoch), trägt in der Mitte als vergoldetes Relief eine Darstellung des hl. Georg, umgeben von drei ebenfalls vergoldeten geflügelten Engelsköpfen und einer eingravierten Blumengirlande. Auf der Rückseite findet sich folgende Gravur: AN01654 / BRVN BOEST /ALBERT FORNFELT / BERNT SMELTINCK / IAEN WIELKES. Es ist anzunehmen, daß es sich bei den ersten beiden Personen um die Gildenherren, bei den zuletzt genannten um die beiden "Schäffer" der Gilde handelt, die für die Vorbereitung und Durchführung des Vogelschießens und des anschließenden Festes verantwortlich waren. Es könnte sich aber auch einfach um die Stifter des Schützenkleinods handeln oder um die Gildenherren von Nachbarschaften, denn es fällt auf, daß die genannten Personen aus verschiedenen Nachbarschaften oder Unterbauerschaften stammen (Drögen Bokelt, Holthusen, Surk, Nijen Wegg).


Rückseite des Leblicher Schildes

Diese vier „Vereinsfunktionäre" oder Stifter sind mit folgenden Leblicher Höfen zu identifizieren: Brun Boest erscheint in einer Schatzungsliste des Jahres 1656, also zwei Jahre später, als Bruno Boest (heute Große oder Kleine Boes), die beiden nächsten stammen von den Höfen Vornefeld (heute Osterkamp) bzw. Schmelting, während der vierte vom Hofe Wilkes stammt (am Neuen Weg, im 19. Jahrhundert aufgegeben). Die Leblicher Schützen verfügten auch über ein Gelände zum Vogelschießen, das aus dem Jahre 1747 schriftlich belegt ist, als ein Acker "an die Vogelrohde“ (an der Vogelrute, Vogelstange) im Zusammenhang mit dem Hof Wolthaus (Eiling) und der Mergelkuhle erwähnt wird. Es dürfte sich wohl um das heute noch gebrauchte Gelände am Pelster Weg gehandelt haben, das sich in Gemeindeeigentum befindet.

Quelle: Tradition und Gemeinschaft, 375 Jahre Schützenwesen in Heiden
Allgemeiner Bürgerschützenverein "St. Georgius" e.V. Heiden/Westfalen 1988

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