In unserem Raum finden sich die ältesten nachweisbaren städtischen Schützengesellschaften in Dortmund (1378), Bocholt (1407), Anholt (Mitte 15. Jahrhundert), Gemen (1470). Durch ihre Schützenkleinodien (Schützensilber, Königsketten) weisen sich die Vereine von Dorsten (um 1500), Nienborg (Wext, 1531) Dülmen (1559), Burlo (1568?), Groß Reken (1569), Barlo (1571), Borken (1578), Maria Veen (1580), Ahaus (1584), Epe (Gerdingseite, 1588), Vreden (1595} und Velen (um 1600) als Schützengesellschaften aus, die den Heidener Gilden in der Überlieferung vorangehen.

Gründungsdaten, auf die sich die 1875/ 76 im Kreise
Borken bestehenden Schützengesellschaften berufen.
Wir können aus den rechts genannten Daten erkennen, dass das ländliche Schützenwesen unseres Raumes durchaus älter ist, als die zufällige Überlieferung von Schützenketten und Rechnungsbüchern mancher Gilden vermuten lässt (z.B. Rechnungsbücher in Barlo seit 1692, in Vardingholt seit 1662). Die Schützenkleinodien, oft bestehend aus einem Brustschild mit angehängter Armbrust- und Vogelnachbildung in Silber, müssen nicht unbedingt auf das "Gründungsjahr" der Gilde und auf einen landesherrlichen Stifter verweisen: sie können durchaus auch erst gestiftet worden sein, nachdem die Gilde zu einer festen Einrichtung geworden war oder als ihre Dienste besonders vonnöten waren oder reaktiviert wurden.

Die Schützen des Mittelalters schossen auf den Papagei,
später trat eine Taube an seine Stelle, dann der Adler.
So stammte beispielsweise das älteste überlieferte Schützenkleinod in Groß Reken (im Kriege verloren gegangene Vogelnachbildung) aus dem Jahre 1569, doch wird bereits im Jahre 1541 berichtet von "enen Marcke kamp und Garden den unterhefft Peter Wibboldingk gelegen bij der Papegoien rode". Die hier genannte "Papegoien rode" ist nichts anderes als die Vogelstange, denn die Schützen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit schössen auf den Papageien, nicht, wie spätere Vogeldarstellungen erkennen lassen, auf Tauben oder Adler. Bereits im Jahre 1360 ist in einer Urkunde des Borkener Stadtarchivs von einem „Pavegenbrink“, einem Papageienbrink also, die Rede, obwohl die älteste Schützenplakette erst auf das Jahr 1678 weist. Die ältesten ländlichen Schützengilden des Münsterlandes werden für die Jahre 1440 in Datteln, 1470 in Dinker (Krs. Soest), 1478 in Elte und 1490 in Hollich (beide bei Steinfurt) erwähnt. Man kann also davon ausgehen, dass es auch in Heiden den Brauch des Vogelschießens, wie überall im Münsterlande, bereits vor der ältesten Überlieferung aus dem Jahre 1613 gegeben hat. (Für die Feier von Jubiläen tut man allerdings gut daran, sich an dieses sicher bezeugte Datum zu halten).
Quelle: Tradition und Gemeinschaft, 375 Jahre Schützenwesen in Heiden
Allgemeiner Bürgerschützenverein "St. Georgius" e.V. Heiden/Westfalen 1988